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Besuch im Holz-/Lehmhaus von Paul Stein
Bericht der Exkursion vom 7.6.07
Am Samstag (Sonnabend für Norddeutsche) rückte eine "Delegation" von 10 Leuten bei Paul Stein in Arnoldsreuth im Landkreis Bayreuth ein.
Paul weiß viel zu erzählen. Schließlich hat er mit seiner mittlerweile 6-köpfigen Familie dieses Haus weitgehend in Eigenleistung errichtet. Der Bauherr hat dabei soviel gelernt und Spass entwickelt, dass er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Zusammen mit Wolfgang Masching hat er sich mit einer Lehmbaufirma selbständig gemacht.

Die Zeit war nicht einfach. Während der Bauzeit hat die Familie in der Scheune des ehemals bäuerlichen Anwesens ge- bzw. überlebt. Aber die Ausdauer hat sich gelohnt: Das Ergebnis ist ein gelungenes Holzständerhaus mit sehr viel Lehm im Innenbereich. Und schließlich waren die Baukosten mit nur rund 60.000 EUR Ausdruck dieser Energieleistung.

Dies waren die technischen Erkenntnisse der Exkursion:
  • Das Holzständerhaus steht auf einem Sandsteinunterbau. Die Wände sind im Innenbereich mit einer Ziegelvormauerung plus Schilfmatte gedämmt.
  • Die Dämmung des Holzständers wurde mit Isofloc im Einblasverfahren durchgeführt. Die Bedenken eines Teilnehmers im Hinblick auf Setzungen der Dämmung konnte Paul nicht gänzlich verneinen. Er beabsichtigt in einigen Jahren, sein Haus mit der Thermokamera zu untersuchen.
  • Eine Stelle der Sandsteinmauer war besonders durchfeuchtet. Hier hat sich die sehr geringe Materialfeuchte des Lehms (4% bis 6%) sehr günstig ausgewirkt. Zur Entfeuchtung des Lehms wurde mittels Schalung 10 - 18 cm  Leichtlehm unmittelbar an der Sandsteinmauer eingebracht. Das Ergebnis war beeindruckend: Die Sandsteinmauer konnte trockengelegt werden.
  • Die Innenwände wurden mit Lehm verputzt. Nach Angaben des Bauherren genügen 2,5 cm Putz, um für angenehmes Raumklima zu sorgen. Die relative Luftfeuchte wurde mit 40 bis 60 % gemessen. Sie liegt damit im optimalen Bereich. Pro Zimmer wurden auf diese Weise 6-7 to Lehm eingebracht.
  • An den Zimmerdecken sind Lehmbauplatten angebracht. Sie sind die Alternative zu Rigips. Sowohl Lehmbauplatten als auch Lehmputz an den Wänden wurde mit Kalk-Kasseinfarbe ge- strichen.
  • Der Lehmputz lässt sich auch mit der Putz-Maschine aufbringen. 4 Mann schaffen dabei pro Tag eine Leistung von 100 m2.
  • Als Schallschutz zwischen den Holzdecken wurden 10 cm Kies verwendet. Alternativ dazu können Klinkersteine mit einer Höhe von 7 cm verwendet werden. Beim Kies ist Vorsicht geboten: Er sollte nicht gerade von einer Strassenbaustelle kommen.
  • Bei einer Leichtbauweise wie dem Holzständerbau ist es wichtig, Masse in das Haus zu bringen. Deshalb ist es günstig, die Zwischenwände mit massiven Lehmsteinen auszumauern. Dies kann sehr gut in Eigenleistung erledigt werden. Es macht Spass und spart Geld.
  • Das Geld ist beim Lehmbau noch ein leidiges Problem: Ein Lehmbauplatte ist mit 21,00 EUR je m2 leider immer noch doppelt so teuer wie eine Gipskartonplatte in gleicher Stärke.
  • Nach Aussage Paul Stein's lässt sich Lehmputz sehr gut mit Wandheizungen kombinieren. Anderslautende Aussagen von Heizungsbauern sollten nicht akzeptiert werden. Die Wandheizung ist wiederum gut mit Solaranlagen zu kombinieren, da für diese Heizungsform eine Vorlauftemperatur von 30 ° ausreichend ist. Für diese komplexe Materie sollte aber guter Projektant zu Rate gezogen werden.

Die Exkursionsteilnehmer bedankten sich bei Paul und Roswitha Stein für die Gastfreundschaft. Die angehenden Baumenschen konnten noch eine Menge Frage stellen. Nach zwei Stunden intensiver Wissensvermittlung begaben sich die Teilnehmer ausgestattet mit etlichen Prospekten zum Lehmbau wieder auf den Heimweg.